„Eine Möglichkeit zur Integration“ >>>29.06.10   (mehr)


 

Siegen-Eiserfeld. Schoko, Vanille, Karamell und Erdbeere: Ulrich Eimermann füllt täglich den Getränkeautomaten der Gesamtschule Eiserfeld mit Milchtüten auf.

Er ist landesweit der einzige Hausmeisterhelfer – jedenfalls soweit Schule und die Arbeiterwohlfahrt als Projekt-Kooperationspartner wissen. Seit Anfang des Jahres unterstützt er die Schule täglich mit Reparatur – und Aufräumdiensten. Nur in den Ferien geht es zurück an seinen alten Arbeitsplatz, die Awo-Werk-stätte.

Angelehnt an ein Konzept aus Köln

„Es ging uns nicht um den Arbeitsbedarf, sondern um die Möglichkeit zur Integration“, so Thomas Dilling von der Gesamtschule, der maßgeblich an den Projekt beteiligt ist. Bei Schülern habe man unterschiedliche Leistungsniveaus. Das könne man beim Personal weiterführen. Der Awo-Integrationsassistent Hartmut Krause besucht Ulrich Eimermann regelmäßig. „Uli kriegt hier andere Impulse“, sagt er. In den Werkstätten gebe es feste Strukturen, in der Schule seien die Aufgaben jeden Tag anders. Das wirke sich vor allem positiv auf die Einsatzbereitschaft und das Sozialverhalten aus.

Das Pilot-Projekt „Hausmeisterhelfer“ ist angelehnt an ein gleichnamiges Konzept aus Köln. Der große Unterschied: Die zwölf in der Domstadt beteiligten Schulen, werden finanziell vom Land unterstützt. Die Gesamtschule Eiserfeld steht diesbezüglich noch auf wackligen Beinen. Obwohl man sich nicht mehr an das Projekt des Landes anschließen konnte, beschloss die Gesamtschule, es in Eigenregie zu konzipieren und die 3 700 Euro für das erste Probejahr über den Förderverein zu finanzieren. Mit der AWO fand sie einen Kooperationspartner. Dort gibt es seit mehreren Jahren die Möglichkeit zum „Außenarbeitsplatz“. Ulrich Eimermann bleibt arbeitsrechtlich bei der Organisation, ist aber bei der Bildungseinrichtung tätig. „Für uns war das Projekt eine Steilvorlage“, sagt Dagmar Graf, Bereichsleiterin der AWO-Werkstätten Siegen. Das Ziel d sei es schließlich, Menschen mit Handicap ins normale Erwerbsleben zu integrieren.

Noch fehlen rund 1700 Euro für das erste Jahr. „Die Finanzierung kriegen wir irgendwie hin“, sagt Dilling. Sogar der eine Cent Gewinn pro verkaufter Milchtüte fließen mit ein.

„Projekt war mit der Stadt nicht realisierbar“

„Das Konzept war mit der Stadt als Schulträger nicht realisierbar“, bedauert Schulleiter Joachim Pfeiffer. Dennoch kämpft die Gesamtschule weiter für ihre Idee. Die SPD will bei der kommenden Sitzung des Schulausschusses den Antrag stellen, 10 000 Euro aus dem nächsten Haushalt für Helfer zur Verfügung zu stellen. Damit könnten drei Mitarbeiter der AWO-Werk-stätten an Siegener Schulen ein Jahr lang beschäftigt werden. Erst dann wird sich auch entscheiden, ob Ulrich Eimermann seinen mittlerweile liebgewonnenen Arbeitsplatz länger oder sogar dauerhaft behalten kann. Denn ein langfristiger Vertrag ist nur mit dem Schulträger möglich.